Die Tafel Österreich versorgte letztes Jahr mehr als 35.000 armutsbetroffene Menschen in 100 sozialen Einrichtungen kostenfrei mit erstmals mehr als 1.000 Tonnen geretteten Lebensmitteln.

Porträt von Alexandra Gruber, Geschäftsführerin

Die Tafel Österreich konnte 2023 eine Vielzahl an Herausforderungen meistern. Eine der größten: Dem massiv gestiegenen Bedarf gerecht zu werden. Denn die Teuerung in allen Lebensbereichen – wie Heizen, Wohnen oder Essen – führte im vergangenen Jahr dazu, dass viele Menschen, die zuvor gerade noch über die Runden kamen, an ihre Grenzen stießen. Das zeigt die aktuelle Bilanz für das vergangene Jahr.

2023 versorgte Die Tafel Österreich über 35.000 armutsbetroffene Personen (+25 %) in 100 Sozialeinrichtungen kostenfrei mit geretteten Lebensmitteln – nach einem Anstieg des Bedarfs um 40 Prozent von 2021 auf 2022 neuerlich ein deutlicher Sprung. In einem gemeinsamen Kraftakt mit 257 Ehrenamtlichen ist es trotz weiter sinkender Warenspenden aus dem Handel gelungen, auch deutlich mehr Lebensmittel aus neuen Bezugsquellen wie der Landwirtschaft zu retten, um den gestiegenen Bedarf zumindest teilweise zu decken: 1.037.814 kg an genusstauglichen Lebensmitteln (+15,76 % gegenüber 2022), darunter viel Obst und Gemüse, wurden gerettet und u. a. an Mutter-Kind-Häuser, Obdachlosen- und Flüchtlingsunterkünfte, Notquartiere oder Frauenhäuser kostenfrei verteilt.

„Schieflage, die wir nicht hinnehmen werden“

Alexandra Gruber, Geschäftsführerin Die Tafel Österreich: „Seit 1999 stehen wir als Brücke vom Überfluss zum Bedarf. Nie zuvor wurde unsere Hilfe so sehr gebraucht – und nie zuvor mussten wir so für unsere Mission kämpfen. 8,5 % der Menschen in diesem Land können sich nicht mindestens jeden zweiten Tag eine Hauptmahlzeit leisten. Gleichzeitig wird es immer schwieriger, Warenspenden zu bekommen – und das, obwohl in Österreich nach wie vor jährlich rund 1 Million Tonnen an Lebensmitteln entsorgt werden. Eine Schieflage, die wir auch künftig nicht hinnehmen werden.“

Die Tafel Österreich setzt sich seit vielen Jahren für nachhaltige Verbesserungen in der karitativen, kostenfreien Lebensmittelweitergabe in Österreich ein, zeigt Problemstellungen auf und bringt Lösungsvorschläge in den Diskurs ein, die in anderen europäischen Ländern schon erfolgreich implementiert sind. Auch in der Bewusstseinsbildung gegen Armut, Hunger und Lebensmittelverschwendung hat sich Die Tafel Österreich mit Projekten wie der Kampagne „Ist das noch gut?“ zum Mindesthaltbarkeitsdatum, der TafelBox, Rezeptideen zu „Altem Brot mit neuem Sinn“, dem Sensorik Labor für Kinder und Jugendliche und vielem mehr als Wegbereiterin und Innovatorin über die letzten 25 Jahre einen Namen gemacht.

Die Tafel Österreich 2023 – auf einen Blick!

  • 1.037.814 kg gerettete Lebensmittel (+15,76 % gegenüber dem Vorjahr)
  • 245 Warenspender:innen (2022: 233)
  • 100 belieferte Sozialeinrichtungen (2022: 96)
  • 35.000 versorgte Personen (+25 % gegenüber dem Vorjahr)
  • 17.132 Stunden von 257 Ehrenamtlichen (2022: 15.801; 253)
  • 969 Liefertouren (2022: 930)