Seit 1. September wird Frischfleisch von 30 BILLA und 10 BILLA PLUS Märkten in Wien an karitative Organisationen weitergegeben. Der Spendenprozess wurde von der Tafel Österreich gemeinsam mit BILLA und der Lebensmittelbehörde erarbeitet.
v. l.: Tobias Riener (Leitung Häferl), Alexandra Gruber (Geschäftsführung Die Tafel Österreich), Wilhelm Raber (Geschäftsführung Stadtdiakonie Wien) und Robert Nagele (Vorstand BILLA)
Lebensmittel sind wertvoll – und Fleisch hat aus ökologischer und ethischer Sicht einen ganz besonders hohen Stellenwert. Doch die Weitergabe von frischem Fleisch ist aus Haltbarkeits- und Haftungsgründen eine besondere Herausforderung. Die Tafel Österreich hat zusammen mit BILLA und der Lebensmittelbehörde ein Pilotprojekt entwickelt, um der Lebensmittelverschwendung in diesem komplexen Bereich entgegenzuwirken.
Seit April 2025 wurde die Weitergabe von Frischfleisch an karitative Organisationen wie das Häferl – eine Einrichtung der Stadtdiakonie Wien im 6. Bezirk – getestet. Mit 1. September 2026 wurde das Projekt für drei Monate auf 30 BILLA und 10 BILLA PLUS Märkte in Wien ausgerollt, die Rind-, Schweine- und Geflügelfleisch aus dem Selbstbedienungsbereich sozialen Einrichtungen zur Verfügung stellen. Die gemeinsame Initiative nimmt eine Pionierrolle in der karitativen Lebensmittelweitergabe ein und setzt im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel neue Maßstäbe.
BILLA-Vorstand Robert Nagele betont: „Fleisch hat eine besondere Wertigkeit, gleichzeitig gelten im Fleischbereich besonders strenge gesetzliche Vorgaben und Hygienevorschriften. Lebensmittelsicherheit hat für uns oberste Priorität – auch bei der Weitergabe von Fleisch. Der seit April 2025 laufende Testbetrieb hat bereits gezeigt, welches Potenzial in dem Projekt steckt. Schon in dieser Phase konnten mehr als zwei Tonnen Fleisch an karitative Einrichtungen weitergegeben werden. Mit der Ausrollung von bisher acht auf nun 40 Märkte erhalten noch mehr karitative Einrichtungen hochwertige Fleischprodukte.“
Alexandra Gruber, Geschäftsführerin der Tafel Österreich, ergänzt: „Während der Bedarf an kostenfreier Lebensmittelhilfe stark gestiegen ist, werden durch optimierte Prozesse im Handel weniger Lebensmittel überschüssig. Das ist grundsätzlich positiv, stellt uns aber vor neue Herausforderungen. Die karitative Lebensmittelweitergabe muss sich daher weiterentwickeln und wir setzen alles daran, neue Warenquellen zu erschließen. Mit BILLA als starkem Partner haben wir uns an das komplexe Thema Fleischrettung herangewagt und ein echtes Pionierprojekt auf den Weg gebracht. Damit können wir noch mehr hochwertige Lebensmittel vor dem Verlust bewahren und Menschen in schwierigen Lebenslagen unterstützen.“
Einen niederschwelligen Zugang zu einer warmen Mahlzeit bietet die Stadtdiakonie Wien mit dem Häferl. Im „Wirtshaus für Alle“, das armutsbetroffenen und wohnungslosen Menschen zugänglich ist, wird an jedem Öffnungstag ein frisch gekochtes, dreigängiges Menü an den Tisch serviert. Der größte Unterschied zu anderen Wirtshäusern ist, dass es am Ende keine Rechnung für die Gäste gibt.
„Für Menschen, die wenig Geld haben, sind viele Lebensmittel zum Luxus geworden“, so Wilhelm Raber, Geschäftsführer der Stadtdiakonie Wien. „Hohe Inflation und die zunehmende Vermögensungleichheit verschärfen diese Situation zusehends. Wir finden: Armut darf nicht bedeuten, dass Menschen auf eine ausgewogene und vielfältige Ernährung verzichten müssen. Mit unseren Angeboten decken wir nicht nur den Grundbedarf, sondern möchten auch Lebensfreude stiften und gelegentlich etwas Luxus bieten. Dazu gehört auch, Fleischgerichte anzubieten.“
Häferl-Leiter Tobias Riener gibt Einblick in die Praxis: „Fleisch ist ein besonders kostbares Lebensmittel, das von unseren Besucher:innen sehr geschätzt wird. An Tagen, an denen ein Fleischgericht am Menüplan steht, servieren wir bis zu einem Viertel mehr Portionen – teilweise weit über 400 Teller. Wir sind dankbar, Teil des Projekts zu sein, das uns bereits in der Testphase mehr Flexibilität in der Menügestaltung gebracht und vielen hungrigen Menschen eine große Freude bereitet hat.“
Frischfleischspenden: Ausweitung von 8 auf 40 Märkte
In intensiver Zusammenarbeit zwischen BILLA, Die Tafel Österreich und der Lebensmittelbehörde wurde ein praxistauglicher Prozess zur Weitergabe von Frischfleisch erarbeitet. Seit April 2025 haben 5 BILLA und 3 BILLA PLUS Märkte in Wien im Testbetrieb frisches Fleisch an karitative Einrichtungen wie das Häferl im 6. Wiener Gemeindebezirk gespendet. Insgesamt konnten in der Testphase mehr als 2 Tonnen Frischfleisch weitergegeben werden.
Lebensmittelsicherheit hat dabei oberste Priorität. Gespendet wird ausschließlich Fleisch am Tag des Verbrauchsdatums. Zudem handelt es sich ausschließlich um Fleisch aus dem Selbstbedienungsbereich, das unter sterilen Bedingungen abgepackt wurde. Besonders sensible Produkte, wie Faschiertes oder Innereien, sind vom Projekt ausgenommen.
Die Abholung der Ware wird von der Tafel Österreich und karitativen Einrichtungen organisiert und erfolgt entweder in Kühlwägen oder in Kühlboxen, um die Kühlkette einzuhalten. Die Sozialeinrichtung entscheidet, ob sie die Ware vor Erreichen des Verbrauchsdatums verkocht, 1:1 weitergibt oder tiefkühlt. Eine Besonderheit stellt die Weitergabe von Geflügel dar. Aus Gründen der Lebensmittelsicherheit wird dieses nur weitergegeben, wenn es noch am Tag des Verbrauchsdatums vollständig durcherhitzt oder verkocht wird.
Damit die Weitergabe reibungslos funktioniert, stellt Die Tafel Österreich nicht nur Know-how aus 27 Jahren karitativer Lebensmittelweitergabe und einen Leitfaden zur sicheren Weitergabe von Fleisch für Sozialeinrichtungen zur Verfügung, sondern auch ihre digitale Tafel-Drehscheibe für die Erfassung der geretteten Mengen. Als Bindeglied koordiniert der Sozialverein dabei die Abholung und Verteilung durch die teilnehmenden Organisationen.
So verbindet das Projekt drei zentrale Anliegen: Ressourcenschonung und Klimaschutz, den Zugang zu ausgewogener Ernährung für armutsbetroffene Menschen sowie die Einhaltung höchster Standards bei der Lebensmittelsicherheit.