Die im Raum stehenden Verschlechterungen in der Sozialhilfe und Kürzungen im Sozialbereich und bei den Familienleistungen treffen jene am meisten, die ohnehin am wenigsten haben. Für armuts- oder ausgrenzungsgefährdete Kinder werden die Einschnitte besonders hart sein. 344.000 Kinder und Jugendliche sind es in Österreich.
Für Familien, die Sozialhilfe erhalten, sind Streichungen existenzbedrohend. Denn das ohnehin knappe Haushaltsbudget muss umgehend wieder für das Nötigste, also Wohnen, Energie und Lebensmittel, ausgegeben werden. Dabei macht die Sozialhilfe in Österreich ohnehin weniger als 0,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus.
Mit Einsparungen in dieser Größenordnung lässt sich der Haushalt von Bund und Ländern also nicht sanieren. Im Raum stehen Verschlechterungen für Familien in der Sozialhilfe, etwa die Anrechnung der Familienbeihilfe oder – von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich große – Kürzungen bei den Kinderzuschlägen.
Im Zuge der noch ausstehenden Verhandlungen sollte nicht darauf vergessen werden, dass die angekündigten Kürzungen bei sozialer Infrastruktur für Kinder und Jugendliche, wie etwa bei den Jugendzentren oder Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, noch erschwerend hinzukommen. Auch die Einsparungen bei Familienleistungen müssen bedacht werden. Diese Kombination kann negative Auswirkungen auf die Entwicklung von vulnerablen Kindern und Jugendlichen haben.
Mehr als ein Drittel aller Sozialhilfeempfänger:innen (37 Prozent) sind Kinder. Nimmt die Politik diesen Kindern nun noch mehr weg, sind die negativen Konsequenzen abzusehen. Die Folgekosten von Kinderarmut belaufen sich laut OECD schon jetzt auf rund 18 Milliarden Euro jährlich.
Gemeinsam mit 45 Organisationen und Interessensvertretungen appelliert Die Tafel Österreich daher an die Politik, von weiteren Kürzungen im Sozialbereich abzusehen.
„Schon jetzt sind rund 20 Prozent der armutsbetroffenen Menschen, die von uns kostenfrei mit Lebensmitteln versorgt werden, Kinder und Jugendliche. Ernährungsarmut ist in einem Land wie Österreich generell eine Schande – noch viel mehr, wenn sie jene trifft, die besonders hilflos sind. Und denen die Chance auf eine gute, gesunde Zukunft damit verbaut wird“, so Geschäftsführerin Alexandra Gruber. „Schon lange fordern wir ein gesundes Gratismittagessen für alle Kinder. Doch statt Verbesserungen drohen jetzt weitere Kürzungen. Soziale Organisationen wie wir tun ihr Möglichstes, um armutsbetroffene Menschen zu unterstützen. Aber wir alle stoßen an unsere Grenzen und können dem Staat die Verantwortung nicht gänzlich abnehmen.“