Wer bei Kaplan Bonetti Unterstützung sucht, findet weit mehr als ein Bett oder eine warme Mahlzeit. Die Vorarlberger Sozialeinrichtung begleitet Menschen in schwierigen Lebenslagen durch Wohn-, Arbeits- und Beratungsangebote. Lebensmittelspenden helfen dabei nicht nur durch den Alltag – sie ermöglichen Begegnungen und eröffnen Gespräche.

Sozialeinrichtung Kaplan Bonetti in Dornbirn, Außenansicht

Wer die Einrichtung Kaplan Bonetti in Dornbirn betritt, spürt schnell: Hier geht es um weit mehr als ein Dach über dem Kopf. Die Einrichtung begleitet Menschen, die von Wohnungslosigkeit bedroht oder betroffen sind, unterstützt bei Arbeitslosigkeit und bietet Orientierung in anderen schwierigen Lebenssituationen. Das Angebot stützt sich auf drei Säulen: Wohnprojekte, Arbeitsprojekte und eine Beratungsstelle. Gemeinsam schaffen sie einen Ort, an dem Menschen Halt finden können.

In den Wohnprojekten stehen 95 barrierefreie Einzelzimmer sowie einige Notschlafplätze für Menschen, die kurzfristig Hilfe benötigen, zur Verfügung. Viele Klient:innen bleiben nur vorübergehend, manche aber auch für mehrere Jahre. Das Ziel bleibt dabei immer dasselbe: beim Weg zurück in ein selbstständiges Leben zu unterstützen.

Dreimal täglich erhalten die Bewohner:innen eine Mahlzeit in der Kantine. Hier kommen unter anderem Warenspenden der Organisation „Tischlein Deck Dich“ – mit der auch Die Tafel Österreich kooperiert – und einer lokalen Bäckerei zum Einsatz. Gleichzeitig wird daran gearbeitet, die Kantine als Ort der Begegnung aufzuwerten – etwa mit öffentlichen Kunstausstellungen, die Berührungsängste abbauen, aber auch mehr Farbe ins Haus bringen sollen. Auch gemeinsame Feste wie Weihnachten haben hier einen festen Platz und stärken das Miteinander.

Lebensmittel als Türöffner

Die Tafel Österreich liefert immer wieder haltbare Produkte wie Bohneneintopf oder Apfelmus, deren Produktion mit finanzieller Unterstützung des Sozialministeriums ermöglicht wurde, nach Dornbirn. Sie kommen in allen Bereichen zum Einsatz: in der Beratungsstelle zur freien Entnahme, in den Arbeitsprojekten bei der wöchentlichen Lebensmittelausgabe und in den Wohnprojekten als unkomplizierte Unterstützung für Menschen, die gerade Hilfe brauchen – nicht zuletzt für jene, die nicht im Haus wohnen.

Wenn Menschen vorbeikommen, deren Geld nicht mehr bis zum Monatsende reicht, ist es wichtig, ihnen etwas anbieten zu können, erklärt Corina Albrecht, Bereichsleiterin der Wohnprojekte. „Das ist oft der Beginn eines Gesprächs. Über die Lebensmittel kommen wir häufig auf ganz andere Themen zu sprechen.“ So könne auch geklärt werden, ob die Person sonst etwas braucht – etwa Hygieneartikel, weitere Unterstützung oder einfach ein offenes Ohr.

Gerade für Menschen, die sich nur schwer auf feste Strukturen einlassen können und für die ein Wohnprojekt nicht infrage kommt, sind haltbare Lebensmittel besonders wertvoll. Manche kommen lediglich auf einen Kaffee vorbei, nutzen die Toilette oder suchen kurz das Gespräch. Apfelmus, Aufstriche oder Eintöpfe bieten ihnen eine einfache Möglichkeit, sich zu versorgen. „Es sind hochwertige Produkte, die niederschwellig verfügbar sind – und genau das macht sie für uns so wertvoll“, so Corina Albrecht. Für sie erfüllen die Lebensmittelspenden gleich mehrere Funktionen:

Sie sind eine große Hilfe für Menschen, die keine oder kaum finanzielle Mittel haben. Sie sind ein guter Gesprächseröffner. Und es sind hochwertige Produkte, die man gerne hergibt und hinter denen man stehen kann.“

Corina Albrecht (Leitung Kaplan Bonetti Wohnprojekte)

Ein Geschmack wie früher

Wie wertvoll solche Begegnungen sein können, zeigt eine Geschichte, die Albrecht bis heute bewegt. Eine Person, die kaum Kontakt zuließ, kam hungrig vorbei und hatte das Mittagessen verpasst. Sie erhielt einige Lebensmittel zum Mitnehmen. Noch vor Ort öffnete sie ein Glas Apfelmus, kostete davon und freute sich: „Das schmeckt wie beim Ähle.“ Das Bregenzerwälder Wort für „Oma“ weckte Erinnerungen – und öffnete gleichzeitig eine Tür. „Diese Person war im Vorfeld kaum greifbar. Wir haben dann lange über die aktuelle Lebenssituation gesprochen – und jetzt schaut sie regelmäßig vorbei und zeigt sich offener“, erzählt Corina Albrecht.

Auch in den Arbeitsprojekten spielen die Lebensmittel eine wichtige Rolle. James arbeitet im Bereich Metallrecycling. Einmal pro Woche findet eine Lebensmittelausgabe statt. Anfangs fiel es ihm schwer, das Angebot anzunehmen:

Die ersten Male war es mir ehrlich gesagt peinlich. Mittlerweile hole ich mir Lebensmittel wie Brot, Käse, Wurst oder haltbare Produkte. So kann man sich auch einmal etwas mitnehmen, das man sich sonst vielleicht nicht leisten könnte.“

James (beschäftigt bei Kaplan Bonetti Arbeitsprojekte)

Qualität schafft Würde

Dass die Produkte hochwertig sind, ist dabei keine Nebensache. Viele Betroffene empfinden Scham, wenn sie Hilfe annehmen müssen. Lebensmittel, die genauso aussehen wie jene im Supermarkt, können diese Hürde spürbar senken. „Wenn man sieht, dass es hochwertige Produkte gibt, hat das einen extremen Mehrwert“, sagt Albrecht. „Deswegen kommen auch die Tafel-Österreich-Produkte so gut an, weil sie hochwertig sind und auch hochwertig ausschauen. Das hat etwas mit Selbstwert zu tun.“

Wie viele soziale Einrichtungen steht auch Kaplan Bonetti durch finanzielle Kürzungen zunehmend unter Druck. Albrecht hofft, dass sich diese Entwicklung nicht weiter verschärft. Vor allem wünscht sie sich mehr Respekt im Umgang mit Menschen in Notsituationen. Denn: „Jeder von uns, egal wie gut er jetzt gerade dasteht, ist immer nur einen Schicksalsschlag davon entfernt, selber in so eine Situation zu kommen.“ Lebensmittelspenden hält sie für besonders wirkungsvoll: „Wenn es um das Thema Spenden geht, haben die Leute oft Sorge, dass diese nicht ankommen. Bei Lebensmittelspenden kann man sicher sein: Sie sind gut angelegt.“