VinziRast Notschlafstelle & CortiHaus (W)

Mehr als Nudeln mit Pesto

Jeden Mittwoch holt die VinziRast für die Notschlafstelle und das CortiHaus in Wien-Meidling Lebensmittelspenden bei der Tafel Österreich ab. Für die versorgten Personen bedeutet das Abwechslung, ausgewogene Ernährung und ein Stück Lebensqualität. Ein Besuch an einem Ort, an dem Lebensmittel weit mehr sind als bloße Versorgung.

„Das war die erste Adresse, die ich gefunden habe – und seit dem Zeitpunkt bin ich da“, erzählt Peter. Der 60-Jährige stammt aus der Steiermark und lebt derzeit in der VinziRast-Notschlafstelle in Meidling. Bald soll er ins benachbarte CortiHaus übersiedeln – ein wichtiger Schritt Richtung eigenständiges Wohnen.

Bis zu 48 Menschen finden in der Notschlafstelle jede Nacht einen Schlafplatz. Bei besonders kalten Temperaturen werden zusätzliche Matratzen aufgelegt. Für zwei Euro pro Nacht erhalten die Gäste nicht nur ein Bett, sondern auch Abendessen, Frühstück, Duschmöglichkeiten sowie Kleidung und Hygieneartikel. Geöffnet ist die Einrichtung an 365 Tagen im Jahr. Wer ankommt, erhält zunächst eine Grundausstattung mit Zahnpasta, Rasierer, Duschgel und weiteren Hygieneartikeln. Benötigte Kleidung stammt aus sorgfältig sortierten Sachspenden, einmal pro Woche kommt außerdem eine Ärztin ins Haus. Aufgenommen werden ausschließlich Erwachsene – auch gemeinsam mit ihren Haustieren.

„Unserer Klientel sieht man die Obdachlosigkeit meistens nicht an“, sagt Andrea Mayer, die Küche und Keller der Einrichtung organisiert. Wie ein Großteil der anderen Mitarbeitenden ist sie ehrenamtlich tätig. Die meisten Gäste sind Männer. Frauen sind ebenfalls betroffen, leben laut Mayer jedoch häufiger in verdeckter Wohnungslosigkeit.

Peter schätzt das Angebot der Einrichtung sehr:

„Man kann schlafen, man kann Körperpflege machen. Es passt das Essen super. Ich sehe keinen Fehler. Man muss eigentlich dankbar sein, dass es solche Einrichtungen gibt.“

Peter (Gast VinziRast Notschlafstelle)

Im Idealfall führt der Weg von der Notschlafstelle ins CortiHaus. Dort leben ehemals obdachlose Menschen in eigenen Wohnungen und werden auf ihrem Weg zurück in ein selbstständiges Leben individuell begleitet. Manche bereiten sich auf den Wiedereinstieg ins Berufsleben vor, andere benötigen Unterstützung aufgrund gesundheitlicher und sozialer Herausforderungen. Für einige ist das CortiHaus eine Übergangslösung, für andere ein dauerhaftes Zuhause. Lebensmittel, die in der Notschlafstelle nicht verarbeitet werden, stehen den Bewohner:innen teilweise zur freien Entnahme zur Verfügung.

Abwechslung auf dem Teller

Jeden Mittwoch holen Ehrenamtliche der VinziRast Lebensmittelspenden bei der Tafel Österreich ab. Eine von ihnen ist Christa Schranz. Sie unterstützt die VinziRast seit mehreren Jahren mit ihrer Zeit. „Das ist immer eine große Freude, wenn es viel gibt und schöne Sachen und was wir halt wirklich brauchen können“, erzählt sie.

Im Keller der Notschlafstelle werden die Lebensmittel sortiert und gelagert. Vieles davon landet noch am selben Tag in den Töpfen der ehrenamtlichen Kochteams: Täglich bereiten drei bis fünf Freiwillige das Abendessen für die Gäste vor. Manche engagieren sich jede Woche, andere einmal im Monat. Dadurch kommt viel Abwechslung auf den Teller – von spanischen über indische Gerichte bis hin zum Schnitzel mit Kartoffelsalat.

Welche Speisen gekocht werden, entscheidet oft das Angebot der Lebensmittelspenden. Die Kochteams erfahren vorab, welche Produkte eingetroffen sind, und passen ihre Menüs entsprechend an. Besonders gefragt sind Fleisch, Suppen, frisches Gemüse, Obst, Joghurt, Kaffee und Süßigkeiten.

„Wir stellen jeden Tag Frühstück und Abendessen für rund 50 Menschen bereit“, sagt Andrea Mayer. „Ohne die Lebensmittel der Tafel Österreich könnte man das einfach nicht gewährleisten.“ Auch Veronika Kerres, Obfrau der VinziRast, betont die Bedeutung der Zusammenarbeit. Als privat finanzierter Verein sei die VinziRast auf Unterstützung angewiesen:

„Ohne die Lebensmittelversorgung wäre es eigentlich nicht möglich, eine Notschlafstelle zu betreiben.“

Veronika Kerres (Obfrau VinziRast)

Essen schafft Begegnungen

Die Ankunft der Lebensmittelspenden ist für Jasmin Wukitsevits, Leiterin des CortiHauses, etwas ganz Besonderes: „Da sieht man dann das Grinsen in den Gesichtern der Menschen.“ Auch die Köch:innen freuen sich immer auf den Liefertag, erzählt sie. „Dann gibt es nicht nur Nudeln mit Pesto, sondern die Möglichkeit, wirklich ein gutes, gesundes Abendessen zuzubereiten. Hier geht es auch um Lebensqualität und Gesundheit.“ Und um kleine Besonderheiten im Alltag der Gäste – zum Beispiel mit gelegentlichem Obstsalat oder einem frisch gepressten Saft zum Frühstück.

Das gemeinsame Abendessen ist mehr als eine Essensausgabe – es schafft Begegnungen. Menschen sitzen zusammen, kommen ins Gespräch. Auch zwischen den versorgten Personen und Ehrenamtlichen entstehen Beziehungen. „Viele Köch:innen kommen sehr regelmäßig und kennen dann schon bestimmte Gäste“, sagt Veronika Kerres. „Das ist, glaube ich, schon auch ein wichtiger Aspekt.“

Für Peter gehört das Essen zu den Dingen, die er an der VinziRast besonders schätzt. Frühstück und Abendessen erhält er direkt vor Ort. Oft reiche das Angebot sogar aus, um sich für untertags etwas mitzunehmen. Dennoch freut er sich auf den Moment, an dem er wieder selbst am Herd stehen kann. „Ich hätte wieder einmal einen Gusto auf ein irrsinnig gutes Reisfleisch mit Salat – oder eine Schwammerlsauce“, sagt er und lacht.

Sein Ziel ist klar: wieder arbeiten und anschließend in eine eigene Wohnung ziehen. „Ich bin überzeugt, das wird schon.“ Auch anderen Menschen, die in eine schwierige Lebenssituation kommen, möchte er Mut machen: „Jeder, der von heute auf morgen auf der Straße steht, sollte versuchen, in so einer Einrichtung unterzukommen. Weil es ist hundertmal besser als im Park zu schlafen. Das hat keine Zukunft. Und man kann das, wenn man den Willen hat, eigentlich als Start für etwas Neues verwenden.“

Vom CortiHaus in die Gemeindewohnung

Dass dieser Weg gelingen kann, zeigt Paula-Simona. Vor rund elf Jahren kam sie selbst als Gästin in die Notschlafstelle. Heute arbeitet sie 22 Stunden pro Woche für den Verein und lebt mit ihrem Mann in einer Gemeindewohnung. „Ich war obdachlos, so wie alle Leute hier“, erzählt sie. Die Unterstützung der VinziRast habe ihr geholfen, wieder auf eigenen Beinen zu stehen. Heute versorgt sie sich selbst mit Lebensmitteln und kann gelegentlich ihre studierende Tochter unterstützen.

Für Jasmin Wukitsevits zeigt sich die Bedeutung der Lebensmittelspenden jede Woche aufs Neue. „Man macht damit so vielen Menschen eine Freude, die es wirklich dringend brauchen, die nicht immer genug zu essen haben.“ Gleichzeitig werde es schwieriger, den gewohnten Standard zu halten. Manche Produkte seien seltener geworden, so Obfrau Veronika Kerres. Umso wichtiger seien die regelmäßigen Lieferungen der Tafel Österreich. So bleibt der Mittwoch für viele Menschen in der VinziRast ein besonderer Tag. Ein Tag, an dem Lebensmittel ankommen – und mit ihnen eine ausgewogene Ernährung, Gemeinschaft und ein Stück Lebensqualität.